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Übersicht Käfer der Woche

Texte © K. Reißmann, T. Hörren, M. Stern, F. Bötzl und C. Benisch


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Filter: Wissenschaft­licher Art-/​Familien­name oder Namens­fragment, mindestens ein Buchstabe.  


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25.11.2016
Osphya bipunctata (F., 1775)
Osphya bipunctata
9 
Der 5 bis 11 mm große Düsterkäfer Osphya bipunctata (Familie Melandryidae) ist derzeit der einzige Vertreter der Gattung in unserer Fauna, wenngleich die Schwesterart O. aeneipennis in den Alpen vorkommt und für Süddeutschland zu erwarten ist. Weltweit enthält die Gattung etwa 25 Arten. Osphya bipunctata ist von Südengland über Mittel- und Südosteuropa bis zum Kaspischen Meer verbreitet. Die stenotope, thermophile Art lebt in lichten Laubwäldern (oft Auwälder) und an sonnexponierten Waldrändern. Man findet die Imagines meist auf blühenden Sträuchern, vor allem Weißdorn (Crataegus), Hartriegel (Cornus) und Schneeball (Viburnum). Manche Männchen (aber nicht alle) weisen stark verdickte und bedornte Hinterschenkel auf. Osphya bipunctata ist zwar aus fast ganz Deutschland gemeldet, gilt aber als stark gefährdet (RL 2). (CB)

18.11.2016
Aphodius quadrimaculatus (L., 1761)
Aphodius quadrimaculatus
12 
Der 3 bis 4 mm große Dungkäfer Aphodius quadrimaculatus (Familie Scarabaeidae) ist einer von zahlreichen Vertretern der Gattung in Deutschland. Weltweit enthält die Gattung über 1000 Arten, in Europa ca. 130, von denen ca. 60 aktuell in Deutschland gemeldet sind. Derzeit wird die Gattung in zahlreiche neue Gattungen aufgespalten. Aphodius quadrimaculatus kommt von West- und Mitteleuropa sowie Südeuropa bis Kleinasien und den Kaukasus vor. Die stenotope, thermophile Frühjahrsart lebt an Wärme- und Trockenhängen und tritt von März bis Juni auf. Man findet sie meist an Schafdung, seltener Rinderkot, gelegentlich in den Bauen von Fuchs und Kaninchen. Nach der Paarung legen die Weibchen die Eier direkt in den Kot. Die Larven ernähren sich vom Kot. In Deutschland fehlt die Art im Norden und Osten. Sie gilt jedoch nicht als gefährdet. (CB)

11.11.2016
Trichoferus pallidus (Ol., 1790)
Trichoferus pallidus
12 
Der 14 bis 21 mm große Bleiche Alteichen-Nachtbock Trichoferus pallidus (Familie Cerambycidae) ist der einzige Vertreter der Gattung in unserer Fauna. Die thermophile Art ist von West- über Mitteleuropa bis zur Krim und zum Nordkaukasus verbreitet. Man findet die nachtaktive Art in alten Eichenwäldern an alten, teilverlichteten Eichen im Absterbeprozess. Trichoferus pallidus hat sehr hohe Ansprüche an sein Habitat und gilt als Urwaldreliktart. Seine Vorkommen sind auf Wälder mit durchgehender Waldtradition seit Ende der letzten Eiszeit vor 12.500 Jahren beschränkt. Die Larven entwickeln sich unter der Rinde toter Stämme oder starker Äste, fast ausschließlich an Eiche, sehr selten an Buche oder Linde. Aktuelle Funde der äußerst seltenen Art liegen nur aus Baden, der Pfalz und Hessen vor. Trichoferus pallidus gilt als vom Aussterben bedroht (RL 1). (CB)

04.11.2016
Chrysomela vigintipunctata Scop., 1763
Chrysomela vigintipunctata
5 
Der 6,5 bis 8,5 mm große Gefleckte Weidenblattkäfer Chrysomela vigintipunctata (Familie Chrysomelidae) ist einer von sieben Vertretern der holarktischen Gattung in Deutschland. Chrysomela vigintipunctata ist von Ostfrankreich bis Japan verbreitet. Man findet die stenotopen, ripicolen Käfer von April bis August in Wäldern in Gewässernähe auf Weiden, aber auch auf Pappeln, Birken und Erlen. Die Käfer und ihre Larven ernähren sich von den Blättern ihrer Wirtspflanzen. Die Larven skelettieren die Blätter, besonders an den Rändern und treten gerne gesellig auf. Wirtschaftliche Schäden kann Chrysomela vigintipunctata vor allem in Baumschulen anrichten, wenn dort Weiden oder Pappeln befallen werden. Die Art ist praktisch aus allen Regionen Deutschlands gemeldet und gilt als nicht gefährdet. (CB)

28.10.2016
Coeliodes trifasciatus Bach, 1854
Coeliodes trifasciatus
14 
Die etwa 30 Arten der paläarktisch verbreiteten Gattung Coeliodes (Familie Curculionidae) entwickeln sich ausschließlich an Eichen, im Gegensatz zu der nahe verwandten Gattung Coeliodinus, die an Birken lebt und früher als Untergattung von Coeliodes geführt wurde. Wenn sie im Frühjahr die Knospen der Eichen anstechen, in deren Kätzchen sich die Larven entwickeln, sind die durchweg rotbraunen Käfer hervorragend auf den noch unbelaubten Ästen getarnt. Die neue Käfergeneration erscheint im Frühsommer und überwintert in der Bodenstreu. Von den fünf in Deutschland vorkommenden Arten ist der 2,5-3 mm lange Coeliodes trifasciatus eine der am meisten wärmeliebenden Arten. Die süd- und mitteleuropäisch verbreitete Art kommt an Stieleichen, im Süden auch an Flaumeichen vor und besiedelt bei uns nur südexponierte trockene Eichengebüsche und Waldsäume. Coeliodes trifasciatus ist überall recht selten, gilt aber aktuell noch nicht als gefährdet. (MS)

21.10.2016
Odacantha melanura (L., 1767)
Odacantha melanura
15 
Der charakteristisch gefärbte Sumpf-Halsläufer Odacantha melanura (Familie Carabidae) ist der einzige europäische Vertreter einer vorwiegend tropisch verbreiteten Gattung. Die etwa 6 bis 8 mm große Art ist über ganz Europa bis ins westliche Sibirien verbreitet. Die Art ist hygrophil und vor allem an Ufern von Sümpfen, schilfreichen Gewässern und auf Sumpfwiesen von der Ebene bis in die colline Zone zu finden. Die Käfer paaren sich im Frühjahr. Sie leben räuberisch und stellen vor allem Springschwänzen (Collembola) nach. Zum Überwintern ziehen sich die Tiere in Schilfhalme zurück, in denen sich auch die Larven entwickeln. In Deutschland ist die Art aktuell vor allem aus dem Norden gemeldet. Sie ist zwar über das gesamte Bundesgebiet verbreitet, wird jedoch eher selten gefunden. Daher ist sie auf der Vorwarnliste der aktuellen Roten Liste (RL V) geführt. (FB)

14.10.2016
Plegaderus dissectus Er., 1839
Plegaderus dissectus
8 
Der nur 1 bis 1,5 mm große Stutzkäfer Plegaderus dissectus (Familie Histeridae) ist eine von fünf Arten der Gattung Plegaderus in Deutschland. Weltweit enthält die Gattung 28 Arten, davon 14 in der Nearktis. Plegaderus dissectus ist von Mittel- und Südeuropa bis zum Kaukasus verbreitet. Die stenotope, silvicole und lignicole Art lebt in Laubwäldern und Parks in weißfaulen und morschen Stubben von Laubhölzern sowie in Buchenschwämmen und bei Ameisen, vor allem Lasius brunneus und Formica cunicularia. Sie gelten als Verfolger der Larven von Borkenkäfern. Aufgrund ihrer geringen Größe werden sie leicht übersehen. In Deutschland ist Plegaderus dissectus zwar aus fast allen Bundesländern gemeldet, gilt aber als gefährdet (RL 3). (CB)

07.10.2016
Scintillatrix rutilans (F., 1777)
Scintillatrix rutilans
18 
Der 9 bis 15 mm große Linden-Prachtkäfer Scintillatrix rutilans (Familie Buprestidae) ist einer von nur drei Vertretern der Gattung in Deutschland. Weltweit umfasst die Gattung 55 Arten von Europa bis Eurasien und Japan. Scintillatrix rutilans ist von Europa bis Südrussland verbreitet und meidet den Einflussbereich des atlantischen Klimas. Sie besiedelt alte Linden in sonnexponierter Lage, z.B. an besonnten Hängen, Lindenalleen und Einzelbäume im Siedlungsbereich. Die Entwicklung erfolgt unter der Rinde und dauert 2-3 Jahre. Die Tiere fliegen bei Sonnenschein und verstecken sich bei bedecktem Himmel. Besonders die Männchen sind recht flüchtig. Sie erschienen von Mai bis Juli. In Deutschland liegen aktuelle Funde nur aus der Südhälfte und die Art gilt als stark gefährdet (RL 2). (CB)

30.09.2016
Clitostethus arcuatus (Rossi, 1794)
Clitostethus arcuatus
11 
Der nur 1,2 bis 1,5 mm große Bogen-Zwergmarienkäfer Clitostethus arcuatus (Familie Coccinellidae) ist thermophil und in Europa hauptsächlich mediterran verbreitet. In Mitteleuropa kommt er an wärmebegünstigten Orten z. B. im Oberrheingraben vor. Die Käfer leben in Efeu, Laub- und Nadelholz. Dort ernähren sie sich vorwiegend von Mottenschildläusen aus der in Europa heimischen Familie Aleyrodidae. In zahlreichen Ländern, unter anderem Kalifornien, Chile und Iran, werden sie zur biologischen Bekämpfung der eingeschleppten Eschen-Weiße Fliege (Siphoninus phillyreae) eingesetzt, die Eschen, aber auch zahlreiche Obstbäume und Zitrusgewächse befällt. Die Käfer können im südlichen Mitteleuropa zwischen Mai und Anfang November drei überlappende Generationen bilden. Die stenotope Art gilt bei uns als stark gefährdet (RL 2). (CB)

23.09.2016
Abdera quadrifasciata (Curt., 1829)
Abdera quadrifasciata
5 
Der 2,5 bis 4 mm große Düsterkäfer Abdera quadrifasciata (Familie Melandryidae) ist in Deutschland einer von fünf Vertretern der Gattung Abdera, die mit mehreren Arten in der Palaearktis wie auch der Nearktis verbreitet ist. Die stenotope, silvicole Art kommt in West-, Ost- und Südeuropa sowie sporadisch in Mitteleuropa vor. Man findet die Käfer in wärmeren Habitaten an verpilzten Ästen und Stämmen verschiedener Laubhölzer, vor allem Eiche (Quercus), Buche (Fagus), Kastanie (Castanea) und Hasel (Corylus). Die meisten Funde stammen von Eichenästen, die mit dem Striegeligen Schichtpilz Stereum hirsutum bewachsen sind. Die Nachweise in Deutschland sind zerstreut und selten und konzentrieren sich auf den Südwesten und Westen Deutschlands. Abdera quadrifasciata gilt als gefährdet (RL 3). (CB)

16.09.2016
Anisoplia villosa (Goeze, 1777)
Anisoplia villosa
7 
Der 10 bis 11 mm große Zottige Getreidekäfer Anisoplia villosa (Familie Scarabaeidae) ist einer von derzeit nur zwei Vertretern der Gattung in Deutschland, die in Eurasien insgesamt etwas über 50 Arten enthält. Ihren größten Artenreichtum weist die Gattung im südöstlichen Mittelmeer und im Kaukasus auf. Das Zentrum des Verbreitungsgebietes von Anisoplia villosa liegt im südlichen Westeuropa, in Mitteleuropa ist das Vorkommen auf xerotherme Hänge beschränkt. Die Art ist von der Iberischen Halbinsel, Süd- und Mittelfrankreich, dem südlichen Mitteleuropa, Deutschland, Österreich, Schweiz, sowie Holland, Polen, Tschechien, der Slowakei und Rumänien bekannt. Man findet sie an den Ähren von Getreide und anderen Gräsern während deren Blütezeit. Nachts verkriechen sie sich in den Boden. Die Larven bevorzugen sandige Böden und ernähren sich von den Graswurzeln. In Deutschland gilt Anisoplia villosa als stark gefährdet (RL 2). (CB)

09.09.2016
Chlorophorus varius (Müll., 1766)
Chlorophorus varius
11 
Der 8 bis 14 mm große Variable Widderbock Chlorophorus varius (Familie Cerambycidae) ist einer von vier aktuell aus Deutschland gemeldeten Arten der Gattung Chlorophorus. Die stenotope, thermophile Art kommt in Süd-, Mittel und Osteuropa, im Osten bis Kleinasien, Nordiran, den Kaukasus, Transkaukasien und Westsibirien vor. Sie leben auf Wiesen und Waldrändern in warmen Gegenden. Die Imagines findet man von Mai bis August an Wärmehängen, in Weinbergen und an sonnenexponierten Waldrändern und Wegrainen auf Doldenblüten. Die Larven entwickeln sich 2-3-jährig in 2 bis 5 cm dicken absterbenden oder trockenen Ästen verschiedener Laubbäume, unter anderem Rosskastanie, Ulme, Ahorn, Erle, Esche und anderen. In Deutschland liegen Meldungen aus dem Südwesten und einigen östlichen Ländern vor. Chlorophorus varius gilt als vom Aussterben bedroht (RL 1). (CB)

02.09.2016
Enedreutes sepicola (F., 1792)
Enedreutes sepicola
5 
Der 2,5 bis 5 mm große Enedreutes sepicola gehört zu den artenreichen Breitrüsslern (Familie Anthribidae), die weltweit knapp 4000 Arten enthalten. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Tropen. In Europa sind dagegen nur 60 Arten nachgewiesen. Enedreutes sepicola ist in Europa weit verbreitet und war lange die einzige Art der Gattung in Deutschland. Inzwischen gibt es einen Nachweis der Schwesterart E. hilaris vom Nordrhein (Reißmann, i.l.). Man findet die stenotope, thermophile und silvicole Art in trockenen Eichenwäldern. Der Käfer entwickelt sich in toten, verpilzten Ästen verschiedener Laubbäume, unter anderem Buche, Esche, und Eiche, wobei letztere bevorzugt wird. Man findet die Käfer von April bis September. In Deutschland ist die Art aus allen Bundesländern gemeldet und gilt als nicht gefährdet. (CB)

26.08.2016
Rhinoncus albicinctus Gyll., 1836
Rhinoncus albicinctus
17 
Der 3,1-3,8 mm lange Rüsselkäfer Rhinoncus albicinctus ("Weiher-Dicknase") (Familie Curculionidae) hat eine sehr spezialisierte Lebensweise: Er entwickelt sich nur in der fast vollständig untergetauchten Form des Wasserknöterichs Persicaria amphibia, an dessen aus dem Wasser ragenden Blütenköpfen er in stehenden Kleingewässern und Altarmen von größeren Flüssen gefunden werden kann. Auf der viel häufigeren Landform dieser Pflanze, die an schlammigen Ufern durchaus häufig ist, sieht man ihn nie. Die Larven bohren im Stängel und verpuppen sich auch dort. Die im Hochsommer schlüpfende neue Käfergeneration überwintert im Ufer unter Pflanzenresten und kann dort oft leichter gefunden werden, als auf den schwer zugänglichen Wasserpflanzen. Die Art kommt von West- und Mitteleuropa bis Russland vor. Sie wird in Deutschland sehr selten gefunden und gilt als stark gefährdet (RL 2). (MS)

19.08.2016
Oreina alpestris (Schumm., 1843)
Oreina alpestris
7 
Der 7 bis 11 mm große Blattkäfer Oreina alpestris (Familie Chrysomelidae) ist nahe mit der artenreichen Gattung Chrysolina verwandt, die Merkmale zur Trennung der beiden Gattungen sind graduell und nicht scharf. Oft lassen sich die Oreina-Arten nur am Genital sicher bestimmen. Oreina alpestris ist in den Mittelgebirgslagen Europas mit Ausnahme Fennoskandinaviens zu finden. Die Käfer besiedeln montane bis subalpine Wälder. Sie leben an diversen Doldenblütlern (Apiaceae), von deren Blättern sich Käfer und Larven ernähren, unter anderem an Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris), Behaartem Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum), Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina) und Grauem Alpendost (Adenostyles alliariae). Im Westen, Norden und Osten Deutschlands fehlt die Art in der Tiefebene. Sie gilt in Deutschland als nicht gefährdet. (CB)

12.08.2016
Bembidion tibiale (Duft., 1812)
Bembidion tibiale
10 
Der Gelbschienige Ahlenläufer Bembidion tibiale (Familie Carabidae) ist ein typischer Bewohner der Ufer schattiger Gebirgsbäche. Die stenotopen, hygrophilenTiere sind etwa 5,3 bis 6,8 mm groß und metallisch grün gefärbt. Sie sind oft sehr zahlreich an Schotterbänken zu finden und allgemein häufig. Von der Art Bembidion geniculatum, die dieselben Habitate bewohnt, ist Bembidion tibiale nur am Genital sicher zu unterscheiden. Die Art ist von Nordeuropa (Schottland, Norwegen) über West- und Mitteleuropa bis nach Kleinasien und in den Kaukasus verbreitet. Sie ist allgemein in montanen Regionen und auch in höheren Lagen zu finden. In Deutschland fehlt sie im Norden, ist im Süden jedoch häufig und deshalb auch in der aktuellen Roten Liste als nicht gefährdet eingestuft. (FB)

05.08.2016
Anthrenus scrophulariae (L., 1758)
Anthrenus scrophulariae
10 
Der 2 bis 3,8 mm große Teppichkäfer Anthrenus scrophulariae (Familie Dermestidae) ist in unserer Fauna eine von derzeit sechs Arten der Gattung Anthrenus, die weltweit etwa 200 Arten enthält. Ursprünglich aus der Paläarktis stammend, ist die Art heute weltweit verbreitet, vor allem in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel. Die Käfer ernähren sich von Blütenpollen und Nektar, während sich die Larven von keratin- und chitinhaltigen Substraten ernähren. Daher findet man die Larven im Freien an toten Insekten, Haaren und Federn, aber auch in menschlichen Behausungen als Schädlinge an Textilien und Wolle oder in Museen als Sammlungsschädlinge. Einem Befall zuhause kann durch regelmäßigen Staubsaugen vorgebeugt werden, insbesondere, wenn Haustiere vorhanden sind. Ist ein Befall eingetreten, können die Larven durch Verbringen der befallenen Güter in einen Eischrank bei -30 °C für mehrere Stunden abgetötet werden. (CB)

29.07.2016
Sinodendron cylindricum (L., 1758)
Sinodendron cylindricum
17 
Der 12 bis 16 mm große Kopfhornschröter Sinodendron cylindricum (Familie Lucanidae) ist in unserer Fauna der einzige Vertreter der Gattung Sinodendron, die in der Paläarktis vier Arten enthält, wovon eine auch in der Nearktis vorkommt. Am Kopf tragen beide Geschlechter ein Horn, welches beim Männchen länger und hinten gelb behaart ist. Das Verbreitungsareal erstreckt sich von Nordspanien über ganz Europa ohne den äußersten Norden und Süden bis nach Westsibirien. Man findet die Käfer in alten, urständigen Laubwäldern von der Ebene bis in den subalpinen Bereich. Er entwickelt sich vor allem an Buche, gelegentlich an anderen Laubhölzern. Nach 2-jähriger Entwicklung verpuppen sich die Larven im Spätsommer und schlüpfen bereits im Herbst. Die Käfer überwintern in der Puppenkammer und erscheinen erst im folgenden Sommer. In Deutschland ist die Art aus allen Regionen gemeldet, gilt aber als gefährdet (RL 3). (CB)

22.07.2016
Ips sexdentatus (Boerner, 1767)
Ips sexdentatus
16 
Der 5,5 bis 7,5 mm große Zwölfzähnige Kiefernborkenkäfer Ips sexdentatus (Familie Scolytidae) ist eine von sechs Arten der Gattung Ips in unserer Fauna, die weltweit knapp 40 Arten umfasst und überwiegend auf der nördlichen Hemisphäre verbreitet ist. Ips sexdentatus kommt in Europa und Asien vor. Er ist ein polygamer Rindenbrüter an Nadelbäumen. Er kommt vor allem an der Gemeinen Kiefer (Pinus sylvestris), gelegentlich auch an anderen Nadelbäumen vor. Er besiedelt gewöhnlich die unteren, starkrindigen Stammteile kränkelnder oder gefällter Kiefern. Der Käfer ist wärmeliebend, so dass bevorzugt sonnenexponierte Stämme an Südrändern bzw. aufgelichtete Bestände befallen werden. Seine Bekämpfung als Forstschädling ist schwierig und das Hauptaugenmerk liegt auf der Vorbeugung durch rechtzeitige Erkennung von Liegendbefall, verbunden mit einer schnellen Holzabfuhr. (CB)

15.07.2016
Rhynchites cupreus (L., 1758)
Rhynchites cupreus
11 
Der 3,5 bis 4,5 mm große Kupferrote Pflaumenstecher Rhynchites cupreus (Familie Rhynchitidae) gehört zu einer Gattung, in der es inzwischen umfangreiche taxonomische Änderungen gegeben hat. So werden ihre Vertreter nun in den Gattungen Tatianaerynchites, Involvulus (hierher die Art cupreus), Pseudomechoris, Teretriorhynchites und Rhynchites geführt. Rhynchites cupreus ist von Europa außer den Britischen Inseln bis Sibirien verbreitet. Die eurytope Art lebt oligophag auf verschiedenen Baum- und Strauch-Rosaceen, vor allem Pflaume, Kirsche und Schlehe, bevorzugt in schattig-kühlen Lagen. Sie kann an Pflaumen und Kirschen schädlich werden, spielt aber aufgrund der geringen Abundanzen meist keine wirtschaftliche Rolle. In Deutschland ist die Art in allen Bundesländern vorhanden und nicht gefährdet. (CB)

08.07.2016
Tillus elongatus (L., 1758)
Tillus elongatus
13 
Der 6 bis 9 mm große Buchen-Buntkäfer Tillus elongatus (Familie Cleridae) ist der einzige Vertreter der Gattung Tillus in unserer Fauna. Die Unterfamilie Tillinae enthält weltweit etwa 550 Arten und ist in der neotropischen Region am artenreichsten. Tillus elongatus zeigt einen auffälligen Geschlechtsdimorphismus: Während das Männchen einfarbig schwarz ist, hat das Weibchen einen roten Halsschild. Die wärmeliebende Art kommt in Europa, einschließlich der Britischen Inseln und bis zum Kaukasus in alten Laub- und Mischwäldern, sowie in Parks vor. Seine Larven ernähren sich von den Entwicklungsstadien anderer holzbewohnender Insekten, allen voran des Kammfühler-Pochkäfers Ptilinus pectinicornis. In Deutschland ist Tillus elongatus weitverbreitet, aber nicht häufig. Er gilt als gefährdet (RL 3). (CB)

01.07.2016
Batrisus formicarius Aubé, 1833
Batrisus formicarius
9 
Mit seinen 3,1 bis 3,5 mm Körperlänge gehört der Palpenkäfer Batrisus formicarius (Familie Pselaphidae) bereits zu den größeren Vertretern der Familie in unserer Fauna. In Europa enthält die Gattung nur zwei Arten, in der Paläarktis insgesamt zehn. Batrisus formicarius kommt in Mittel- und Südeuropa vor. Die stenotope, myrmecophile Art findet man in Laubwäldern, Parks und Flussauen. Sie lebt in den Nestern der Braunen Wegameise Lasius brunneus in morschem Holz und im Mulm hohler Laubbäume, auch unter morscher Rinde und in Stammoos. Batrisus formicarius ist aus fast allen Regionen Deutschlands mit Ausnahme Schleswig-Holsteins und des Niederelbe-Gebiets gemeldet. Die Art ist nicht gefährdet, wird jedoch nicht allzu häufig nachgewiesen und gilt als eher selten. (CB)

24.06.2016
Otiorhynchus fullo (Schrk., 1781)
Otiorhynchus fullo
7 
Mit fast 1000 Vertretern sind die Dickmaulrüssler (Gattung Otiorhynchus) die mit Abstand artenreichste Gattung der Rüsselkäfer (Familie Curculionidae) in Europa, 170 davon in Mitteleuropa. Davon sind sehr viele nur in extrem begrenzten Lokalitäten im Hochgebirge verbreitet. Der 5-8 mm lange Otiorhynchus fullo hingegen ist eine vor allem osteuropäische Art niedriger Höhenlagen, die in Deutschland die Westgrenze ihrer Verbreitung erreicht. Dementsprechend findet man ihn bei uns vor allem in den östlichen Bundesländern, aber inzwischen auch schon in Hessen und in der Pfalz. Er ist wärmeliebend und lebt an verschiedenen Laubgehölzen, wie z.B. Schlehe und Weißdorn. Die Larve entwickelt sich im Boden. Otiorhynchus fullo ist zwar nicht gerade häufig, gilt aber bundesweit nicht als gefährdet. (MS)

17.06.2016
Donacia reticulata Gyll., 1817
Donacia reticulata
13 
Der 7,5 bis 11 mm lange Schilfkäfer Donacia reticulata (Familie Chrysomelidae) ist einer der etwa 20 Vertreter der holarktische verbreiteten Gattung Donacia in unserer Fauna. Weltweit enthält die Gattung etwa 80 Arten, deren Vertreter manchmal nicht ganz einfach zu bestimmen sind. Donacia reticulata kommt in Nordwestafrika und Südwest-Europa (Portugal, Spanien, Frankreich, Niederland, Italien, Slowenien, Österreich, Kroatien) vor. In Deutschland lagen bis vor kurzem nur alte Meldungen aus Bayern vor und die Art galt als verschollen (RL 0). Mittlerweise wurde sie neu am Nordrhein nachgewiesen. Die stenotope, hygrophile und gramineicole Art lebt am Ästigen Igelkolben (Sparganium erectum) und am Breitblättrigen Rohrkolben (Typha latifolia), einige Autoren geben auch Seggen (Carex) an. (CB)

10.06.2016
Megopis scabricornis (Scop., 1763)
Megopis scabricornis
18 
Der 30 bis 50 mm große Körnerbock Megopis scabricornis (Familie Cerambycidae) gehört zu unseren größten und sehr seltenen Arten. Er ist der einzige Vertreter der Gattung Megopis in unserer Fauna und ist von Nordspanien über das südliche Mitteleuropa bis Kleinasien, den Kaukasus und Iran verbreitet. Die thermophile Urwaldreliktart ist polyphag. Ihre Larven entwickeln sich im morschen, feuchten Holz absterbender Laubbäume (unter anderem Buche, Linde, Pappel, Apfel, Kirsche und Rosskastanie) in Laubwäldern, Parks, Alleen, Streuobstwiesen und Flussauen. Die Käfer erscheinen von Juni bis August. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv und werden von Licht angelockt. In Deutschland kommt die Art vor allem im Südwesten vor, neben Einzelfunden aus Brandenburg und Sachsen. Sie gilt als vom Aussterben bedroht (RL 1). (CB)


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