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Übersicht Käfer der Woche

Texte © K. Reißmann, T. Hörren, M. Stern, F. Bötzl und C. Benisch


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Filter: Wissenschaft­licher Art-/​Familien­name oder Namens­fragment, mindestens ein Buchstabe.  


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16.09.2016
Anisoplia villosa (Goeze, 1777)
Anisoplia villosa
7 
Der 10 bis 11 mm große Zottige Getreidekäfer Anisoplia villosa (Familie Scarabaeidae) ist einer von derzeit nur zwei Vertretern der Gattung in Deutschland, die in Eurasien insgesamt etwas über 50 Arten enthält. Ihren größten Artenreichtum weist die Gattung im südöstlichen Mittelmeer und im Kaukasus auf. Das Zentrum des Verbreitungsgebietes von Anisoplia villosa liegt im südlichen Westeuropa, in Mitteleuropa ist das Vorkommen auf xerotherme Hänge beschränkt. Die Art ist von der Iberischen Halbinsel, Süd- und Mittelfrankreich, dem südlichen Mitteleuropa, Deutschland, Österreich, Schweiz, sowie Holland, Polen, Tschechien, der Slowakei und Rumänien bekannt. Man findet sie an den Ähren von Getreide und anderen Gräsern während deren Blütezeit. Nachts verkriechen sie sich in den Boden. Die Larven bevorzugen sandige Böden und ernähren sich von den Graswurzeln. In Deutschland gilt Anisoplia villosa als stark gefährdet (RL 2). (CB)

09.09.2016
Chlorophorus varius (Müll., 1766)
Chlorophorus varius
11 
Der 8 bis 14 mm große Variable Widderbock Chlorophorus varius (Familie Cerambycidae) ist einer von vier aktuell aus Deutschland gemeldeten Arten der Gattung Chlorophorus. Die stenotope, thermophile Art kommt in Süd-, Mittel und Osteuropa, im Osten bis Kleinasien, Nordiran, den Kaukasus, Transkaukasien und Westsibirien vor. Sie leben auf Wiesen und Waldrändern in warmen Gegenden. Die Imagines findet man von Mai bis August an Wärmehängen, in Weinbergen und an sonnenexponierten Waldrändern und Wegrainen auf Doldenblüten. Die Larven entwickeln sich 2-3-jährig in 2 bis 5 cm dicken absterbenden oder trockenen Ästen verschiedener Laubbäume, unter anderem Rosskastanie, Ulme, Ahorn, Erle, Esche und anderen. In Deutschland liegen Meldungen aus dem Südwesten und einigen östlichen Ländern vor. Chlorophorus varius gilt als vom Aussterben bedroht (RL 1). (CB)

02.09.2016
Enedreutes sepicola (F., 1792)
Enedreutes sepicola
5 
Der 2,5 bis 5 mm große Enedreutes sepicola gehört zu den artenreichen Breitrüsslern (Familie Anthribidae), die weltweit knapp 4000 Arten enthalten. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Tropen. In Europa sind dagegen nur 60 Arten nachgewiesen. Enedreutes sepicola ist in Europa weit verbreitet und war lange die einzige Art der Gattung in Deutschland. Inzwischen gibt es einen Nachweis der Schwesterart E. hilaris vom Nordrhein (Reißmann, i.l.). Man findet die stenotope, thermophile und silvicole Art in trockenen Eichenwäldern. Der Käfer entwickelt sich in toten, verpilzten Ästen verschiedener Laubbäume, unter anderem Buche, Esche, und Eiche, wobei letztere bevorzugt wird. Man findet die Käfer von April bis September. In Deutschland ist die Art aus allen Bundesländern gemeldet und gilt als nicht gefährdet. (CB)

26.08.2016
Rhinoncus albicinctus Gyll., 1836
Rhinoncus albicinctus
17 
Der 3,1-3,8 mm lange Rüsselkäfer Rhinoncus albicinctus ("Weiher-Dicknase") (Familie Curculionidae) hat eine sehr spezialisierte Lebensweise: Er entwickelt sich nur in der fast vollständig untergetauchten Form des Wasserknöterichs Persicaria amphibia, an dessen aus dem Wasser ragenden Blütenköpfen er in stehenden Kleingewässern und Altarmen von größeren Flüssen gefunden werden kann. Auf der viel häufigeren Landform dieser Pflanze, die an schlammigen Ufern durchaus häufig ist, sieht man ihn nie. Die Larven bohren im Stängel und verpuppen sich auch dort. Die im Hochsommer schlüpfende neue Käfergeneration überwintert im Ufer unter Pflanzenresten und kann dort oft leichter gefunden werden, als auf den schwer zugänglichen Wasserpflanzen. Die Art kommt von West- und Mitteleuropa bis Russland vor. Sie wird in Deutschland sehr selten gefunden und gilt als stark gefährdet (RL 2). (MS)

19.08.2016
Oreina alpestris (Schumm., 1843)
Oreina alpestris
7 
Der 7 bis 11 mm große Blattkäfer Oreina alpestris (Familie Chrysomelidae) ist nahe mit der artenreichen Gattung Chrysolina verwandt, die Merkmale zur Trennung der beiden Gattungen sind graduell und nicht scharf. Oft lassen sich die Oreina-Arten nur am Genital sicher bestimmen. Oreina alpestris ist in den Mittelgebirgslagen Europas mit Ausnahme Fennoskandinaviens zu finden. Die Käfer besiedeln montane bis subalpine Wälder. Sie leben an diversen Doldenblütlern (Apiaceae), von deren Blättern sich Käfer und Larven ernähren, unter anderem an Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris), Behaartem Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum), Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina) und Grauem Alpendost (Adenostyles alliariae). Im Westen, Norden und Osten Deutschlands fehlt die Art in der Tiefebene. Sie gilt in Deutschland als nicht gefährdet. (CB)

12.08.2016
Bembidion tibiale (Duft., 1812)
Bembidion tibiale
10 
Der Gelbschienige Ahlenläufer Bembidion tibiale (Familie Carabidae) ist ein typischer Bewohner der Ufer schattiger Gebirgsbäche. Die stenotopen, hygrophilenTiere sind etwa 5,3 bis 6,8 mm groß und metallisch grün gefärbt. Sie sind oft sehr zahlreich an Schotterbänken zu finden und allgemein häufig. Von der Art Bembidion geniculatum, die dieselben Habitate bewohnt, ist Bembidion tibiale nur am Genital sicher zu unterscheiden. Die Art ist von Nordeuropa (Schottland, Norwegen) über West- und Mitteleuropa bis nach Kleinasien und in den Kaukasus verbreitet. Sie ist allgemein in montanen Regionen und auch in höheren Lagen zu finden. In Deutschland fehlt sie im Norden, ist im Süden jedoch häufig und deshalb auch in der aktuellen Roten Liste als nicht gefährdet eingestuft. (FB)

05.08.2016
Anthrenus scrophulariae (L., 1758)
Anthrenus scrophulariae
9 
Der 2 bis 3,8 mm große Teppichkäfer Anthrenus scrophulariae (Familie Dermestidae) ist in unserer Fauna eine von derzeit sechs Arten der Gattung Anthrenus, die weltweit etwa 200 Arten enthält. Ursprünglich aus der Paläarktis stammend, ist die Art heute weltweit verbreitet, vor allem in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel. Die Käfer ernähren sich von Blütenpollen und Nektar, während sich die Larven von keratin- und chitinhaltigen Substraten ernähren. Daher findet man die Larven im Freien an toten Insekten, Haaren und Federn, aber auch in menschlichen Behausungen als Schädlinge an Textilien und Wolle oder in Museen als Sammlungsschädlinge. Einem Befall zuhause kann durch regelmäßigen Staubsaugen vorgebeugt werden, insbesondere, wenn Haustiere vorhanden sind. Ist ein Befall eingetreten, können die Larven durch Verbringen der befallenen Güter in einen Eischrank bei -30 °C für mehrere Stunden abgetötet werden. (CB)

29.07.2016
Sinodendron cylindricum (L., 1758)
Sinodendron cylindricum
16 
Der 12 bis 16 mm große Kopfhornschröter Sinodendron cylindricum (Familie Lucanidae) ist in unserer Fauna der einzige Vertreter der Gattung Sinodendron, die in der Paläarktis vier Arten enthält, wovon eine auch in der Nearktis vorkommt. Am Kopf tragen beide Geschlechter ein Horn, welches beim Männchen länger und hinten gelb behaart ist. Das Verbreitungsareal erstreckt sich von Nordspanien über ganz Europa ohne den äußersten Norden und Süden bis nach Westsibirien. Man findet die Käfer in alten, urständigen Laubwäldern von der Ebene bis in den subalpinen Bereich. Er entwickelt sich vor allem an Buche, gelegentlich an anderen Laubhölzern. Nach 2-jähriger Entwicklung verpuppen sich die Larven im Spätsommer und schlüpfen bereits im Herbst. Die Käfer überwintern in der Puppenkammer und erscheinen erst im folgenden Sommer. In Deutschland ist die Art aus allen Regionen gemeldet, gilt aber als gefährdet (RL 3). (CB)

22.07.2016
Ips sexdentatus (Boerner, 1767)
Ips sexdentatus
16 
Der 5,5 bis 7,5 mm große Zwölfzähnige Kiefernborkenkäfer Ips sexdentatus (Familie Scolytidae) ist eine von sechs Arten der Gattung Ips in unserer Fauna, die weltweit knapp 40 Arten umfasst und überwiegend auf der nördlichen Hemisphäre verbreitet ist. Ips sexdentatus kommt in Europa und Asien vor. Er ist ein polygamer Rindenbrüter an Nadelbäumen. Er kommt vor allem an der Gemeinen Kiefer (Pinus sylvestris), gelegentlich auch an anderen Nadelbäumen vor. Er besiedelt gewöhnlich die unteren, starkrindigen Stammteile kränkelnder oder gefällter Kiefern. Der Käfer ist wärmeliebend, so dass bevorzugt sonnenexponierte Stämme an Südrändern bzw. aufgelichtete Bestände befallen werden. Seine Bekämpfung als Forstschädling ist schwierig und das Hauptaugenmerk liegt auf der Vorbeugung durch rechtzeitige Erkennung von Liegendbefall, verbunden mit einer schnellen Holzabfuhr. (CB)

15.07.2016
Rhynchites cupreus (L., 1758)
Rhynchites cupreus
11 
Der 3,5 bis 4,5 mm große Kupferrote Pflaumenstecher Rhynchites cupreus (Familie Rhynchitidae) gehört zu einer Gattung, in der es inzwischen umfangreiche taxonomische Änderungen gegeben hat. So werden ihre Vertreter nun in den Gattungen Tatianaerynchites, Involvulus (hierher die Art cupreus), Pseudomechoris, Teretriorhynchites und Rhynchites geführt. Rhynchites cupreus ist von Europa außer den Britischen Inseln bis Sibirien verbreitet. Die eurytope Art lebt oligophag auf verschiedenen Baum- und Strauch-Rosaceen, vor allem Pflaume, Kirsche und Schlehe, bevorzugt in schattig-kühlen Lagen. Sie kann an Pflaumen und Kirschen schädlich werden, spielt aber aufgrund der geringen Abundanzen meist keine wirtschaftliche Rolle. In Deutschland ist die Art in allen Bundesländern vorhanden und nicht gefährdet. (CB)

08.07.2016
Tillus elongatus (L., 1758)
Tillus elongatus
12 
Der 6 bis 9 mm große Buchen-Buntkäfer Tillus elongatus (Familie Cleridae) ist der einzige Vertreter der Gattung Tillus in unserer Fauna. Die Unterfamilie Tillinae enthält weltweit etwa 550 Arten und ist in der neotropischen Region am artenreichsten. Tillus elongatus zeigt einen auffälligen Geschlechtsdimorphismus: Während das Männchen einfarbig schwarz ist, hat das Weibchen einen roten Halsschild. Die wärmeliebende Art kommt in Europa, einschließlich der Britischen Inseln und bis zum Kaukasus in alten Laub- und Mischwäldern, sowie in Parks vor. Seine Larven ernähren sich von den Entwicklungsstadien anderer holzbewohnender Insekten, allen voran des Kammfühler-Pochkäfers Ptilinus pectinicornis. In Deutschland ist Tillus elongatus weitverbreitet, aber nicht häufig. Er gilt als gefährdet (RL 3). (CB)

01.07.2016
Batrisus formicarius Aubé, 1833
Batrisus formicarius
9 
Mit seinen 3,1 bis 3,5 mm Körperlänge gehört der Palpenkäfer Batrisus formicarius (Familie Pselaphidae) bereits zu den größeren Vertretern der Familie in unserer Fauna. In Europa enthält die Gattung nur zwei Arten, in der Paläarktis insgesamt zehn. Batrisus formicarius kommt in Mittel- und Südeuropa vor. Die stenotope, myrmecophile Art findet man in Laubwäldern, Parks und Flussauen. Sie lebt in den Nestern der Braunen Wegameise Lasius brunneus in morschem Holz und im Mulm hohler Laubbäume, auch unter morscher Rinde und in Stammoos. Batrisus formicarius ist aus fast allen Regionen Deutschlands mit Ausnahme Schleswig-Holsteins und des Niederelbe-Gebiets gemeldet. Die Art ist nicht gefährdet, wird jedoch nicht allzu häufig nachgewiesen und gilt als eher selten. (CB)

24.06.2016
Otiorhynchus fullo (Schrk., 1781)
Otiorhynchus fullo
7 
Mit fast 1000 Vertretern sind die Dickmaulrüssler (Gattung Otiorhynchus) die mit Abstand artenreichste Gattung der Rüsselkäfer (Familie Curculionidae) in Europa, 170 davon in Mitteleuropa. Davon sind sehr viele nur in extrem begrenzten Lokalitäten im Hochgebirge verbreitet. Der 5-8 mm lange Otiorhynchus fullo hingegen ist eine vor allem osteuropäische Art niedriger Höhenlagen, die in Deutschland die Westgrenze ihrer Verbreitung erreicht. Dementsprechend findet man ihn bei uns vor allem in den östlichen Bundesländern, aber inzwischen auch schon in Hessen und in der Pfalz. Er ist wärmeliebend und lebt an verschiedenen Laubgehölzen, wie z.B. Schlehe und Weißdorn. Die Larve entwickelt sich im Boden. Otiorhynchus fullo ist zwar nicht gerade häufig, gilt aber bundesweit nicht als gefährdet. (MS)

17.06.2016
Donacia reticulata Gyll., 1817
Donacia reticulata
13 
Der 7,5 bis 11 mm lange Schilfkäfer Donacia reticulata (Familie Chrysomelidae) ist einer der etwa 20 Vertreter der holarktische verbreiteten Gattung Donacia in unserer Fauna. Weltweit enthält die Gattung etwa 80 Arten, deren Vertreter manchmal nicht ganz einfach zu bestimmen sind. Donacia reticulata kommt in Nordwestafrika und Südwest-Europa (Portugal, Spanien, Frankreich, Niederland, Italien, Slowenien, Österreich, Kroatien) vor. In Deutschland lagen bis vor kurzem nur alte Meldungen aus Bayern vor und die Art galt als verschollen (RL 0). Mittlerweise wurde sie neu am Nordrhein nachgewiesen. Die stenotope, hygrophile und gramineicole Art lebt am Ästigen Igelkolben (Sparganium erectum) und am Breitblättrigen Rohrkolben (Typha latifolia), einige Autoren geben auch Seggen (Carex) an. (CB)

10.06.2016
Megopis scabricornis (Scop., 1763)
Megopis scabricornis
18 
Der 30 bis 50 mm große Körnerbock Megopis scabricornis (Familie Cerambycidae) gehört zu unseren größten und sehr seltenen Arten. Er ist der einzige Vertreter der Gattung Megopis in unserer Fauna und ist von Nordspanien über das südliche Mitteleuropa bis Kleinasien, den Kaukasus und Iran verbreitet. Die thermophile Urwaldreliktart ist polyphag. Ihre Larven entwickeln sich im morschen, feuchten Holz absterbender Laubbäume (unter anderem Buche, Linde, Pappel, Apfel, Kirsche und Rosskastanie) in Laubwäldern, Parks, Alleen, Streuobstwiesen und Flussauen. Die Käfer erscheinen von Juni bis August. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv und werden von Licht angelockt. In Deutschland kommt die Art vor allem im Südwesten vor, neben Einzelfunden aus Brandenburg und Sachsen. Sie gilt als vom Aussterben bedroht (RL 1). (CB)

03.06.2016
Omphalapion buddebergi (Bedel, 1885)
Omphalapion buddebergi
6 
Der 1,9 bis 2,4 mm große Färberkamillen-Spitzmausrüssler Omphalapion buddebergi (Familie Apionidae) ist der seltenste Vertreter der vier Arten der Gattung in unserer Fauna. In der Paläarktis enthält die Gattung gut zehn Arten. Omphalapion buddebergi ist vor allem aus Deutschland gemeldet, daneben gibt es Nachweise aus Spanien, Österreich, Ungarn, Polen und Bulgarien. Die stenotope, xerothermophile Art lebt auf Trocken- und Magerrasen, in Weinbergsbrachen und Steinbrüchen monophag an Färberkamille (Anthemis tinctoria), in deren Blütenköpfen sich die Larven entwickeln. In Deutschland liegen aktuelle Funde nur aus Bayern, der Pfalz, dem Rheinland, Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt vor. Stellenweise ist Omphalapion buddebergi stark zurückgegangen. Die Art gilt daher als stark gefährdet (RL 2). (CB)

27.05.2016
Ampedus sanguinolentus (Schrk., 1776)
Ampedus sanguinolentus
12 
Der 9,0 bis 11,5 mm lange Schnellkäfer Ampedus sanguinolentus (Familie Elateridae) ist einer der häufigeren Vertreter der holarktisch verbreiteten Gattung Ampedus, die in unserer Fauna knapp 30 Arten, weltweit etwa 300 Arten enthält. In seiner Nominatform weisen die roten Flügeldecken einen schwarzen Nahtfleck auf, der jedoch fehlen kann. Ampedus sanguinolentus kommt von Frankreich über Mittel- und das südliche Nordeuropa bis Sibirien vor. Man findet die eurytope, silvicole Art in Wäldern der Ebene bis in höhere Lagen der Mittelgebirge. Die räuberische Larve entwickelt sich unter der Rinde oder in den äußeren Schichten weißfaulen Holzes von Laubbäumen, vorzugsweise in dem von Eichen. Der Käfer schlüpft schon im Sommer, überwintert jedoch in der Puppenwiege und erscheint im folgenden Frühjahr. Ampedus sanguinolentus ist bei uns nicht gefährdet. (CB)

20.05.2016
Hydaticus transversalis (Pont., 1763)
Hydaticus transversalis
8 
Der 12 bis 13 mm große Schwimmkäfer Hydaticus transversalis (Familie Dytiscidae) ist unter den häufigeren Vertreter der Gattung Hydaticus, die bei uns fünf, weltweit etwa 100 Arten in der Paläarktis, Afrotropis und Nearktis enthält. Hydaticus transversalis ist von Europa (ohne den äußersten Norden und Süden) bis Kleinasien und den Kaukasus verbreitet. Die eurytopen Käfer leben in stehenden, eutrophen Gewässern, wie pflanzenreichen Seen, Tümpeln und Altwässern. Sie überwintern als Imago und pflanzen sich im Frühjahr fort. Die Larvenentwicklung ist im Sommer abgeschlossen. Käfer und Larven ernähren sich räuberisch von anderen wasserbewohnenden Kleinlebewesen. Hydaticus transversalis ist aus fast allen Regionen Deutschlands gemeldet und gilt als nicht gefährdet. (CB)

13.05.2016
Caenorhinus interpunctatus (Steph., 1831)
Caenorhinus interpunctatus
7 
Der 2,5 bis 3,4 mm große Blaugrüne Triebstecher Caenorhinus interpunctatus (Familie Rhynchitidae) ist die seltenste Art der Gattung Caenorhinus, in der es umfangreiche taxonomische Veränderungen gegeben hat (Legalov, 2003). So gehören deren frühere Vertreter nun zu den Gattungen Schoenitemnus, Neocoenorrhinus und – wie C. interpunctatus – Neocoenorhinidius. Die Art ist von Europe bis Sibirien verbreitet. Die Käfer leben an verschiedenen Eichen-Arten und scheinen kühlere Lebensräume zu bevorzugen. Man findet sie von April bis Juni. Sie sind vermutlich wie die Schwesterart C. aeneovirens Triebstecher, die Larven entwickeln sich in jungen Eichentrieben. In Deutschland ist die Art zwar aus fast allen Regionen gemeldet und ist nicht in der Roten Liste enthalten. Sie wird aber nur selten nachgewiesen und die tatsächliche Gefährung ist schwer zu beurteilen. (CB)

06.05.2016
Tetratoma desmarestii Latr., 1807
Tetratoma desmarestii
7 
Der 3,5 bis 4,2 mm große Keulendüsterkäfer Tetratoma desmarestii (Familie Tetratomidae) ist die seltenste der drei Tetratoma-Arten in unserer Fauna. In Europa enthält die Gattung sechs, weltweit 22 Arten. Die stenotope, mycetophage Art kommt in Nordafrika, Süd-, West- und Mitteleuropa vor, im Osten bis zum Kaukasus. Man findet sie in Eichenwäldern an verschiedenen Baumpilzen, vor allem am Eichen-Zystidenrindenpilz Peniophora quercina, aber auch am Rauchporling (Phebia radista) und im Eichenschichtpilz (Stereum hirsutum). Die Larven entwickeln sich in den Pilzen, die sie zur Verpuppung im Boden verlassen. Tetratoma desmarestii ist aus dem meisten Bundesländern mit Ausnahme des Ostens gemeldet, ist aber recht selten. In Deutschland gilt die Art als vom Aussterben bedroht (RL 1). (CB)

29.04.2016
Nacerdes melanura (L., 1758)
Nacerdes melanura
8 
Der 9 bis 13 mm große Werftbohrkäfer Nacerdes melanura (Familie Oedemeridae) ist eine von zwei Arten der Gattung in Deutschland, die weltweit etwa 40 Arten enthält. Ursprünglich wohl aus Europa stammend, ist die Art inzwischen weltweit in der gemäßigten Zone verbreitet. Man findet die Art vor allem in Küstengebieten. Die Larven entwickeln sich in altem, pilzbefallenem Holz, das regelmäßig von den Gezeiten befeuchtet wird. Da sie auch verbaute Hölzer in Schiffen, im Pfahlwerk von Landestellen und Docks befallen gelten sie als Schädlinge. Die kurzlebigen Käfer erscheinen zwischen Mai und September mit Höhepunkt im Juni. In Deutschland findet man die Nacerdes melanura vor allem in den Küstenregionen, es sind aber auch Nachweise aus dem Inland bekannt. Sie gilt bei uns als gefährdet (RL 3). (CB)

22.04.2016
Biphyllus lunatus (F., 1792)
Biphyllus lunatus
11 
Der 3 bis 3,3 mm große Pilzplattkäfer Biphyllus lunatus (Familie Biphyllidae) ist der einzige Vertreter der Gattung in Deutschland, die in Europa insgesamt vier Arten enthält. Er zeichnet sich durch einen gezackten hellen Haarfleck auf den Flügeldecken aus. Die stenotope, mycetobionte Art kommt in Nordafrika, Süd- und Mitteleuropa, im Osten bis Südsibirien vor. Die Vorkommen in Deutschland, Österreich und Tschechien sind allgemein recht zerstreut, nur auf den Britischen Inseln ist die Art etwas häufiger. Sie lebt und entwickelt sich monophag am Kohligen Kugelpilz Daldinia concentrica, den man an morschen Ästen von Laubbäumen, vor allem Esche findet. Die Larven ernähren sich vom Pilzmyzel und verpuppen sich im Boden. In Deutschland liegen aktuelle Funde nur vom Nordrhein vor und die Art gilt als vom Aussterben bedroht (RL 1). (CB)

15.04.2016
Cicindela maritima Dej., 1822
Cicindela maritima
19 
Der 10 bis 13 mm lange Küsten-Sandlaufkäfer Cicindela maritima (Familie Carabidae) ist einer von sechs Vertretern der Gattung Deutschland, die weltweit etwa 850 Arten enthält. Von der ähnlichen, aber ungleich häufigeren Cicindela hybrida unterscheidet sie sich durch den stärker absteigenden und schmaleren Ast der mittleren Flügeldeckenbinde. Die psammophile und halotolerante Art kommt von Europa bis Asien in litoralen Lebensräumen (Ufern von Flüssen, Seen und Meeren) vor, in Deutschland nur auf salzbeeinflussten Böden an der der Ost- und Nordseeküste. Die tagaktiven Käfer und ihre Larven ernähren sich räuberisch von anderen Insekten. In Deutschland gilt die Art als stark gefährdet (RL 2) und ist nur aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, dem Weser-Ems- und dem Niederelbe-Gebiet gemeldet. (CB)

08.04.2016
Mogulones pallidicornis (Bris., 1860)
Mogulones pallidicornis
13 
Wenn im zeitigen Frühjahr im noch unbelaubten feuchten Buchenhochwald der Boden von einem Teppich blühender Buschwindröschen und Lerchensporne bedeckt ist, übersieht man leicht die bescheidenen blauen Blüten des dunklen Lungenkrauts (Pulmonaria obscura). Noch viel seltener wird man den sich daran entwickelnden 3 bis 3,5 mm langen kleinen Lungenkrautrüssler Mogulones pallidicornis (Familie Curculionidae) zu Gesicht bekommen. Man kann ihn bei gezielter Suche am richtigen Ort von März bis Anfang Juni finden, je nachdem, wie früh die Vegetation austreibt. Anders als in der Literatur angegeben, findet man die Tiere nicht nur am Abend, sondern auch tagsüber an den Pflanzen, bei denen Fraßstellen an den Blättern die Käfer verraten können. Mogulones pallidicornis ist von Mitteleuropa bis Sibirien und von Schweden bis Italien verbreitet. In Deutschland scheint das Vorkommen lückenhaft und die Art gilt als gefährdet (RL 3). (MS)

01.04.2016
Meloe decorus Br.Er., 1832
Meloe decorus
18 
Der 12 bis 20 mm große Schmuck-Ölkäfer Meloe decorus (Familie Meloidae) ist eine von zehn aktuell aus Deutschland gemeldeten Arten der Gattung Meloe, die weltweit mehr als 150 Arten in 16 Untergattungen enthält. Meloe decorus ist ostpaläarktisch verbreitet, sowie im Nahen Osten und wenigen Ländern Europas von Ost-Frankreich bis zur Balkan-Halbinsel. Die stenotope, thermophile Art lebt an Wärmehängen, in Steinbrüchen und Sandgruben sowie an Hochwasserdeichen von der Ebene bis ins Hügelland. Die Imagines fressen an verschiedenen Pflanzen. Sie zeigen ein komplexes Balzverhalten, bei dem das Männchen mit schnellen Fühler- und Abdomen-Bewegungen stimuliert. Die Larven entwickeln sich in den Nestern von Wildbienen-Arten, vor allem bei Andrena. In Deutschland ist Meloe decorus auf wenige Bundesländer beschränkt und vom Aussterben bedroht (RL 1). (CB)


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